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⚽Warum grosse Vereine so schwer zu trainieren sind
mitten in der Saison hat Real Madrid am 12. Januar 2026 verkündet, dass sich der Verein und Xabi Alonso "in gegenseitigem Einvernehmen" getrennt haben. Der frühere Mittelfeldregisseur, der Real als Spieler zur Krönung der "Décima" geführt hatte, hatte erst im Mai 2025 von Bayer Leverkusen übernommen und einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Nur sieben Monate später war Schluss.

Laut der Guardian‐Analyse kam die Trennung nach der 3:2‐Niederlage im Supercup-Finale gegen Barcelona zustande; Alonso hatte in dieser Phase nur zwei Siege aus acht Spielen geholt und ein Fünf-Punkte-Vorsprung in La Liga verwandelte sich in einen Vier-Punkte-Rückstand. Trotz einzelner Lichtblicke gegen Barcelona in der Liga überzeugten die Auftritte nicht; die hohen Niederlagen gegen Paris Saint‑Germain und Manchester City, fehlende Wunschtransfers und ein öffentlicher Konflikt mit Vinícius Júnior untergruben seine Autorität.

Alonso ist ein Beispiel dafür, dass selbst begnadete Ex-Spieler bei einem Topklub schnell an Grenzen stossen können. Im Folgenden wollen wir genauer beleuchten, warum das Führen eines Grossvereins oft viel schwieriger ist, als es von außen aussieht – und warum manche Trainer bei kleineren Vereinen brillieren, bei den "Giganten" aber scheitern.
1. Zeitlicher Erfolgsdruck: Geduld ist Mangelware
In kleineren Vereinen können Trainer Projekte über mehrere Jahre aufbauen. Bei Real Madrid, Manchester United oder Bayern dagegen hängt die Bewertung oft am nächsten Ergebnis. Die Niederlage im Supercup gegen Barcelona gilt laut dem spanischen Fachexperten Graham Hunter als "kapitaler Fehler" – Florentino Pérez verzeiht keine verlorenen Endspiele. Schon ein paar schwächere Wochen reichten aus, um Alonsos Kredit zu verspielen: eine 5:2‑Klatsche im Derby, Unentschieden gegen mittelstarke Teams und eine Heimniederlage gegen Celta Vigo liessen die Stimmung kippen.
Der Erfolgsdruck wird nicht nur durch Medien und Fans, sondern auch durch die wirtschaftliche Dimension der Spitzenklubs verstärkt. Eine Studie über Trainerwechsel in den fünf Top-Ligen beschreibt die Rolle des Fussballtrainers als "chronisch unsicher"; der Druck, hohe Einnahmen zu rechtfertigen, führt zu häufigen Trainerwechseln. In derselben Untersuchung konnte zwar nachgewiesen werden, dass ein Trainerwechsel kurzfristig die Punkteausbeute verbessert, langfristig aber kaum Einfluss auf die Endplatzierung hat. Anders formuliert: Statt eines langfristigen Plans herrscht in grossen Vereinen eine "Fire & Hire"-Mentalität, bei der Trainer für kurzfristige Formschwankungen als Sündenböcke dienen.
Für euch als Trainer bedeutet das: Seid euch bewusst, dass prestigeträchtige Jobs weniger Spielraum für Experimente lassen. Euer Plan muss sofort Wirkung zeigen, und gleichzeitig müsst ihr mit einer täglichen Gerüchteküche umgehen können.
2. Man-Management: Stars mit Ego treffen auf Vereinsinteressen
Während ihr in einem mittelgrossen Klub vielleicht den Nachwuchs behutsam entwickeln könnt, besteht das Aufgebot eines Topvereins aus Weltstars mit grossen Persönlichkeiten. Diese Spieler fordern Spielzeit, Einfluss und Anerkennung. Xabi Alonsos Streit mit Vinícius Júnior im Oktober, als der Brasilianer nach seiner Auswechslung wutentbrannt in den Tunnel stürmte, machte Schlagzeilen. Obwohl der Stürmer sich später bei Mitspielern und Präsident entschuldigte, richtete sich seine Entschuldigung nicht an den Trainer. Laut Al Jazeera wurde Alonso vom Klub in diesem Konflikt nicht gestützt – ein massiver Autoritätsverlust.
Wie geht man mit solchen Egos um? Carlo Ancelotti, der die Champions League mit Real und Milan gewann, betont, dass Beziehungen wichtiger sind als reine Taktik. In einem Vortrag erklärte er: "Am Ende geht es um Beziehungen zwischen Menschen". Er versucht, eine persönliche Verbindung zu Spielern aufzubauen, weil "elf Spieler auf dem Feld stehen, aber 15 auf der Bank sitzen". Jeder will spielen, und das macht die Entscheidungen schwierig. Ancelotti verwendet das Bild vom Pferd, das "mit der Peitsche oder mit der Karotte" springen kann: Wer nur die Peitsche benutzt, riskiert, später getreten zu werden. Für ihn ist positive Ansprache die nachhaltigere Führung.

Gerade diese mannschaftspsychologische Seite wird oft unterschätzt. In einem kleineren Klub haben die wenigen Stars weniger Macht; in einem Topklub können sie Trainerwechsel forcieren. Das bedeutet für euch: Arbeitsbeziehungen und Empathie sind Schlüsselkompetenzen. Wer nur taktisch brilliert, aber Menschenführung vernachlässigt, kann trotz grosser Budgets schnell scheitern.
3. Klubpolitik und Transferfragen: Einflussverlust trotz grosser Budgets
Paradoxerweise haben Trainer bei grossen Vereinen oft weniger Kontrolle über Kaderplanung. Xabi Alonso soll sich laut Guardian für Mittelfeldspieler Martín Zubimendi stark gemacht haben; der Spieler wechselte jedoch zu Arsenal. Real Madrids Vereinsführung stellt den kommerziellen und markenpolitischen Wert vieler Stars über die Wünsche des Trainers. Die Verpflichtung von Galaktischen bringt zwar Reichweite, doch der Trainer muss das Gebilde aus Offensivstars, Sponsoreninteressen und Jugendtalenten moderieren.
Hinzu kommt die Vereinsgeschichte: Real Madrid hat in der Ära Florentino Pérez zehn Trainer entlassen. Ein Trainer muss also wissen, wie weit er gegen interne Strukturen opponieren kann und wann er strategische Kompromisse eingeht. Gerade wenn der Verein Transferentscheidungen zentral steuert, ist Flexibilität gefragt.
4. Beispiele: Nicht jeder passt zu den Giganten
Damit klar wird, dass Alonsos Geschichte kein Einzelfall ist, hier zwei spannende Beispiele:
David Moyes: Vom Albtraum bei Manchester United zum Triumph mit West Ham
Als Nachfolger von Sir Alex Ferguson übernahm David Moyes 2013 einen der schwierigsten Jobs im Weltfussball. Zehn Monate später wurde er entlassen – der Traditionsklub ertrug den ungewohnten siebten Platz nicht. Moyes erklärte später, er habe sich "nach der Entlassung zurückkämpfen" müssen. Nach Stationen bei Real Sociedad und Sunderland fand er 2017 zu West Ham United, einem Verein mit bescheideneren Ansprüchen. Dort gewann er 2023 die UEFA Conference League und sprach davon, wie wichtig es sei, nach Rückschlägen wieder aufzustehen. Der gleiche Trainer, der bei United als überfordert galt, kann also an anderer Stelle glänzen, wenn die Rahmenbedingungen besser zu ihm passen.
Unai Emery: Entlassung bei Arsenal, Erfolg mit Villarreal
Unai Emery musste im November 2019 bei Arsenal gehen. Neun Monate später übernahm er Villarreal, eine vergleichsweise kleine Stadt mit knapp 50 000 Einwohnern. Dort führte er den Klub 2021 zum ersten grossen Titel der Vereinsgeschichte und gewann zum vierten Mal die Europa League. Emery lobte seine Spieler für ihre Hingabe und erzählte, dass sie manche Tage um sechs Uhr morgens ins Stadion kamen, um sich vorzubereiten. Er stiess im Halbfinale sogar seinen Ex-Klub Arsenal aus dem Wettbewerb. Für ihn war dies kein "Racheakt", sondern der Beweis, dass sorgfältige Arbeit und Geduld fruchten: "Bei Arsenal haben wir auch viel gelernt – es war professionelle Frustration, aber andere Türen haben sich geöffnet".

Diese Beispiele zeigen: Scheitern bei einem Grossklub bedeutet nicht, dass ein Trainer schlecht ist. Oft sind Zeit, Erwartungen und Umfeld entscheidend. Ein Trainer, der bei einem Mittelklasseverein im ruhigen Fahrwasser arbeitet, kann bei einem Champions-League-Anwärter unter der Last der Erwartung zusammenbrechen – und umgekehrt.
5. Fazit: Kennst du dich selbst?
Grosse Vereine locken mit prall gefüllten Budgets, imposanten Stadien und globaler Aufmerksamkeit. Doch wie wir an Xabi Alonso gesehen haben, kommen mit dem Glamour auch enorme Risiken: Erfolg wird sofort erwartet, Spieler mit grossen Egos müssen überzeugt werden, und Vereinspolitik schränkt den Handlungsspielraum ein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Trainerwechsel zwar kurzfristig wirken, langfristig aber wenig ändern. Für uns als Trainer ergibt sich daraus eine wichtige Frage:
Bist du der Coach, der in einem hektischen Umfeld mit vielen Stakeholdern schnell Ergebnisse liefert – oder fühlst du dich in einer Umgebung wohler, in der du längerfristig aufbauen kannst?
Es ist keine Schwäche, wenn man den zweiten Weg bevorzugt. Im Gegenteil: Die Karriere von Moyes, Emery oder auch Julen Lopetegui zeigt, dass der richtige Kontext über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Überlege dir, wie du mit Zeitdruck, Spielerpersönlichkeiten und Vereinsstrukturen umgehen willst. Die ehrliche Antwort darauf hilft dir, den für dich passenden Karriereweg zu wählen.
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