Hallo zusammen, ich bin zurück!

Nach einer längeren Sommerpause melde ich mich wieder. Ich hoffe, ihr konntet abschalten und seid gut in die neue Saison gestartet.

Die ersten Meisterschaftsspiele sind gespielt, und das ist immer ein besonderer Moment. Jetzt zeigt sich, was von den Plänen aus der Vorbereitung trägt und wo man nachjustieren muss. Passend dazu die Themen dieser Ausgabe:

  1. ⚽Spiegelformationen

  2. 👉Neu bei FussballCoach: Ein roter Faden für deine ganze Trainerwoche

⚽Der Plan als Prognose

Bei Como 1907 gibt es eine Gewohnheit, die auf den ersten Blick nach Bürokratie klingt und auf den zweiten Blick den Kern moderner Trainerarbeit trifft. Vor jedem Spiel bekommt der Vorstand den Matchplan des Trainers. Cesc Fàbregas legt schriftlich dar, wie er den Gegner einschätzt, was er erwartet und wie seine Mannschaft darauf antworten wird. Nach dem Spiel folgt die Analyse und der Abgleich.

Como-Präsident Mirwan Suwarso hat beschrieben, warum das für den Klub wertvoll ist: Die Verantwortlichen wissen dadurch, worauf sie während des Spiels überhaupt achten müssen. Sie schauen nicht mehr nur auf den Ball, sondern auf die Dinge, die der Trainer angekündigt hat.

Und genau hier liegt der eigentliche Punkt. Der Matchplan ist in diesem Moment keine Anweisung mehr, sondern etwas anderes: eine Prognose. Eine Behauptung darüber, was passieren wird, festgehalten bevor es passiert. Das verändert alles, was danach kommt.

Cesc Fàbregas · über seine Vorbereitung auf den Trainerberuf

"Wir haben jede taktische Struktur analysiert, von der wir glauben, dass es sie im Fussball gibt. Und was aus unserer Sicht der beste Weg ist, sie anzugreifen. Wir haben im Grunde eine Datenbank erstellt, wie wir Probleme schaffen können, je nachdem wie der Gegner spielt."

Cesc Fàbregas · Trainer Como 1907

Ohne Vorarbeit keine Prognose

Damit ein Matchplan mehr ist als eine Vermutung, braucht es eine Grundlage. Fàbregas hat sich diese Grundlage über Jahre gebaut, teils schon während seiner aktiven Karriere. Er hat systematisch jede Formation und jedes Spielsystem durchdacht, das im Fussball vorkommt. Jedes System bringt Stärken mit, aber eben auch strukturelle Schwächen. Und für jede dieser Schwächen hat er eine Antwort formuliert und aufgeschrieben.

Das Resultat ist eine persönliche Wissensdatenbank. Läuft der Gegner am Wochenende mit Dreierkette und Doppelsechs auf, beginnt die Vorbereitung nicht bei null. Die grundsätzliche Frage ist längst beantwortet. Die Zeit fliesst dort hin, wo sie hingehört: in die Besonderheiten dieses konkreten Gegners.

Warum das die Prognose überhaupt erst ermöglicht
Eine Vorhersage ist nur so gut wie das Modell dahinter. Wer keine durchdachten Antworten auf Systeme hat, kann vor dem Spiel nichts Belastbares behaupten. Er kann nur hoffen. Die Systemdatenbank ist die Voraussetzung dafür, überhaupt eine begründete Erwartung formulieren zu können.

Sichtbar wird diese Vorarbeit in der Flexibilität der Mannschaft. Como startet nominell im 4-2-3-1, formiert sich im Aufbau zu einem 1-4-2-1-3 um, wechselt gegen den Ball in ein 4-4-2 und nutzt je nach Gegner auch Dreierketten-Strukturen. Das ist keine Improvisation im Spiel, sondern das Abrufen vorbereiteter Antworten.

Bemerkenswert dabei: Fàbregas ist kein Kontrollfanatiker, der jeden Schritt vorschreibt. Er hat mehrfach betont, dass er Struktur schätzt, weil eine gut strukturierte Mannschaft besser versteht, was in welchem Moment zu tun ist. Struktur ist bei ihm nicht das Gegenteil von Freiheit, sondern deren Voraussetzung. Der Trainer setzt den Rahmen, die Entscheidungen im Rahmen treffen die Spieler. Am Samstag um 15 Uhr sind einem ohnehin die Hände gebunden.

Warum das Aufschreiben den Unterschied macht

Jetzt zum eigentlich spannenden Teil. Warum ist es so wertvoll, den Plan vor dem Spiel festzuhalten, statt ihn nur im Kopf zu haben oder in der Kabine zu erzählen?

Die Antwort liegt in einem psychologischen Mechanismus, dem wir alle unterliegen: dem Rückschaufehler. Nach dem Spiel weiss man, was passiert ist. Und das Gehirn baut die eigene Erinnerung sofort um. Ich habe ja gewusst, dass sie über die linke Seite kommen. Hat man das wirklich gewusst? Oder weiss man es nur jetzt, weil das Tor gefallen ist?

Ohne schriftliche Vorhersage lässt sich das nicht mehr auseinanderhalten. Und damit wird die Nachbesprechung wertlos. Sie bestätigt einen nur in dem, was man ohnehin schon glaubte. Man arbeitet viel, aber man lernt wenig.

Wer vorher nichts behauptet, kann hinterher nicht falsch gelegen haben. Und wer nie falsch lag, lernt auch nichts dazu.

Die schriftliche Prognose macht die eigene Arbeit überprüfbar. Nach dem Spiel steht nicht mehr Gefühl gegen Gefühl, sondern Erwartung gegen Realität. Und aus dieser Differenz entsteht der eigentliche Lernmoment. Habe ich den Gegner richtig eingeschätzt und die Umsetzung hat gehakt? Oder war meine Analyse schon falsch? Das sind zwei völlig verschiedene Probleme mit völlig verschiedenen Lösungen, und man kann sie nur unterscheiden, wenn die Erwartung dokumentiert ist.

Bei Como kommt eine zweite Ebene dazu. Der Klub arbeitet zusätzlich mit unabhängigen Analysten, die vor dem Spiel eine Siegwahrscheinlichkeit berechnen. Damit liegen zwei Prognosen nebeneinander: die taktische des Trainers und die statistische des Modells. Nach dem Spiel lässt sich beides abgleichen.

Warum zwei Prognosen besser sind als eine
Der Vergleich schützt vor einem verbreiteten Denkfehler: Ergebnisse mit Leistung zu verwechseln. Eine Mannschaft kann alles richtig machen und trotzdem 0:1 verlieren. Sie kann miserabel spielen und 2:0 gewinnen. Wenn das Modell dem Team eine Siegchance von 25 Prozent gibt und es verliert knapp, war das keine Katastrophe, sondern der wahrscheinliche Ausgang. Ohne diesen Referenzpunkt bewertet man jedes Spiel nur über das Resultat, und das führt zu falschen Konsequenzen.

Das ist der Grund, warum Como so bemerkenswert konstant auftritt. Datenanalysten beschreiben die Mannschaft als eines der Teams, deren Ergebnisse eher von Prozess als von Zufall getrieben sind. Erreichte und erwartete Punkte liegen eng beieinander. Die Leistungen schwanken kaum. Genau das entsteht, wenn systematisch gearbeitet und ehrlich ausgewertet wird.

Auch ein Transfer ist eine Prognose

Dieselbe Logik hat inzwischen einen zweiten Bereich erobert, der früher fast reines Bauchgefühl war: die Kaderplanung. Denn eine Spielerverpflichtung ist im Kern nichts anderes als eine Vorhersage. Die Behauptung, dass dieser Spieler in unserem System und in unserer Liga eine bestimmte Leistung bringen wird.

In England ist datengetriebenes Scouting heute bei praktisch jedem Verein Standard. Brentford ist das bekannteste Beispiel. Besitzer Matthew Benham, ein ehemaliger professioneller Wettanalyst, baute mit Smartodds ein statistisches Modell auf, das Daten zu über 85'000 Spielern weltweit erfasst. Er investierte in Analytik statt in Starspieler.

85'000

75 Mio.

190 Mio.

Spieler in Brentfords Datenbank erfasst

Pfund für Transfers ausgegeben seit 2016

Pfund durch Verkäufe eingenommen

Brighton fährt unter Tony Bloom ein ähnliches Modell, Liverpool baute unter Ian Graham eine Analyseabteilung auf, die unter anderem bei der Verpflichtung von Mohamed Salah zentral war, und Sunderland kopierte das Brighton-Modell zuletzt so erfolgreich, dass der Aufsteiger die Saison 2025/26 auf Platz zwölf beendete. Das Prinzip ist immer dasselbe: Ein Scout sieht drei Spiele und bildet ein Urteil. Ein Modell verarbeitet Tausende Datenpunkte und filtert Zufall heraus.

Aber, und das ist der entscheidende Punkt, auch diese Prognose hat Grenzen. Bei Como sitzt Fàbregas nicht nur an der Seitenlinie, er ist Anteilseigner und Mitglied des Football Board. Er redet bei Spielern mit und darf gegen die Zahlen entscheiden. Das ist keine Sentimentalität, sondern methodisch notwendig, denn Daten haben systematische blinde Flecken:

Kontext:

Die Zahlen kennen das System nicht, in dem sie entstanden

Schwache Werte können bedeuten, dass ein Spieler im falschen System gespielt hat. Dieselbe Spielweise ergibt in einer anderen Mannschaft völlig andere Daten.

Alter

Ein junger Spieler ist ein Versprechen, keine Bilanz

Bei einem Neunzehnjährigen misst man einen Zwischenstand. Entscheidend ist die Entwicklungskurve, und die steht in keiner Tabelle.

Charakter

Mentalität und Lernbereitschaft bleiben unsichtbar

Ob einer Kritik annimmt, im Training Vollgas gibt und die Kabine trägt, erfährt man im Gespräch, nicht im Datensatz.

Deshalb ist die richtige Frage nicht, ob man Daten nutzt, sondern wie man sie einordnet. Das Modell filtert aus Tausenden Spielern jene zwanzig heraus, die überhaupt in Frage kommen, und schützt vor teuren Fehlern. Die Entscheidung zwischen diesen zwanzig trifft ein Mensch, der die Mannschaft, die Spielidee und die Kabine kennt. Fàbregas hat sich mehrfach darüber gewundert, dass Vereine manchmal Spieler verpflichten, ohne überhaupt mit dem Trainer zu sprechen.

Was du daraus mitnehmen kannst
Kaum jemand von uns hat ein Analyseteam. Aber das Kernprinzip dieser Ausgabe kostet nichts und funktioniert in jeder Liga: Schreib deine Erwartung vor dem Spiel auf. Eine halbe Seite genügt.

Der Sinn ist nicht die Dokumentation. Der Sinn ist, dass du dich hinterher nicht selbst belügen kannst. Nur wer eine Erwartung festgehalten hat, erkennt nach dem Spiel den Unterschied zwischen einer falschen Analyse und einer schlechten Umsetzung.

Fazit

Die Professionalisierung des Fussballs wird oft an Technik festgemacht: an Datenbanken, Modellen, Analysetools. Aber das ist nur die sichtbare Oberfläche. Darunter liegt eine Haltung, und die ist auch ohne Budget verfügbar.

Diese Haltung heisst: Ich behaupte vorher etwas, und ich halte mich hinterher daran fest. Fàbregas hat seine Systemdatenbank nicht gebaut, weil ihm jemand ein Werkzeug verkauft hat, sondern weil er wissen wollte, was er tut. Der Matchplan geht an den Vorstand, weil eine Prognose, die niemand kennt, auch niemand überprüfen kann. Die Werkzeuge sind austauschbar, die Akribie ist es nicht.

Und am Ende bleibt der Mensch im Zentrum, gerade weil die Prognosen besser werden. Kein Modell hätte einem jungen Spieler mit mittelmässigen Zahlen eine Zukunft vorhergesagt, wenn nicht jemand etwas in ihm gesehen hätte. Die Zahlen schützen uns vor unseren Vorurteilen. Das Urteil selbst nehmen sie uns nicht ab.

👉Neu bei FussballCoach: Ein roter Faden für deine ganze Trainerwoche

Ein Trainer braucht nicht einfach mehr Daten oder noch ein weiteres Verwaltungstool. Er braucht eine Lösung, die ihm hilft, aus seiner Spielidee die richtigen Entscheidungen für Training und Match zu treffen.

Genau dafür wurde FussballCoach weiterentwickelt.

So funktioniert der neue Trainer-Workflow:

1. Definiere deine Spielprinzipien
Lege fest, wie deine Mannschaft mit und gegen den Ball spielen soll. Die KI analysiert deine Angaben, gibt dir Feedback und hilft dir, daraus eine klare Spielidee zu formulieren. Du entscheidest jederzeit selbst, was zu deinem Team passt.

2. Verstehe deinen Kader
Erfasse Spielerprofile, Stärken, Entwicklungsfelder, Positionen und Verfügbarkeiten. Ferien und Verletzungen werden zentral berücksichtigt. So entsteht mit der Zeit ein realistisches Bild deiner Mannschaft.

3. Organisiere Trainings und Spiele
Plane einzelne Termine oder ganze Serien. Spieler können ihre Teilnahme einfach über einen Link bestätigen. Anwesenheiten und Absenzen werden übersichtlich ausgewertet, ohne dass du jedes Training mühsam manuell nachführen musst.

4. Plane dein Training
Nutze die Übungsbibliothek, erstelle eigene Übungen oder lasse dir mit KI passende Trainingsformen vorschlagen. Daraus stellst du einen vollständigen Trainingsplan zusammen.

5. Bereite den Match vor
Plane Aufstellung, Plan A und Plan B, Wechsel und Standards. Neu kannst du Laufwege, Passwege, Räume und Notizen direkt auf dem Spielfeld einzeichnen und deine taktische Idee anschaulich festhalten.

6. Erfasse das Spiel live und lerne daraus
Halte Tore, Spielstand und wichtige Beobachtungen direkt am Spielfeldrand fest. Nach dem Schlusspfiff übernimmst du alles in die Spielauswertung. Die gesammelten Erkenntnisse fliessen in deine Statistiken und in die nächste Planung ein.

Der eigentliche Mehrwert

FussballCoach verbindet Spielprinzipien, Kader, Trainingsplanung und Matchvorbereitung zu einem durchgängigen Prozess. Die KI liefert dabei keine losgelösten Standardantworten, sondern unterstützt dich auf Basis deiner Idee und der Informationen über dein Team.

Die KI macht Vorschläge. Das letzte Wort hat immer der Trainer.

Die neue Version ist ab sofort verfügbar. Ich freue mich sehr über ehrliches Feedback aus der täglichen Trainerarbeit, denn genau daraus soll FussballCoach weiter wachsen.

Besuche unsere Homepage, um exklusive Trainingsvideos anzusehen und passende Produkte zu finden.

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